Incredible India

Neue Kulturen kennenlernen. Herausforderungen annehmen. Sich inspirieren lassen. Wachsen. Meine erste Indienreise war Überforderung, Sinnesüberflutung und Liebe auf den ersten Blick zugleich.

28 Bundesstaaten, über 100 Sprachen. Im Süden kilometerlange Sandstrände, im Norden mächtige Berggipfel. Überall Kühe. Und mittendrin das reine Chaos: Indien, ein Land der Gegensätze.

 Beedis, Kühe und Verkehr

Dass Indien wohl ein paar Einwohner mehr als Österreich hat, wird einem spätestens am Flughafen in Dehli klar. Schafft man es, das Areal mit Gedränge, Geschubse und hunderten Visakontrollen zu verlassen, schlägt einem die Intensität des Landes mit voller Wucht ins Gesicht.

Auf der Suche nach einem Transportmittel gerät man sofort in die Fänge von lautstarken Herren, die einen in fragwürdigen Fahrzeugen von A nach B bringen möchten. Der eingesessene Inder ignoriert sie gekonnt und bewegt sich wild gestikulierend in Richtung offizieller Taxidienste, deren Fahrzeuge jedoch genauso bedenklich aussehen. Richtung Stadt fahrend registriert man die Mannigfaltigkeit der Luft. Die Gerüche sind undefinierbar, würzig, rauchig und der Staub vernebelt einem die Sicht. Kühe wühlen im Müll an den Straßenecken. Slums in allen Teilen der Stadt und dazwischen immer wieder ein großer Mercedes oder Porsche. Laut hupend ignoriert der Fahrer Bodenmarkierungen, fährt über Gehsteige. Wer hupt, gewinnt. Überholmanöver, die in Europa den Führerscheinverlust zur Konsequenz hätten, werden hier dazu genutzt, sich noch eine Beedi anzuzünden und geräuschvoll aus dem Fenster zu spucken.

old delhi in neu delhi.

old delhi in neu delhi – auf den straßen: rikshaws, autos, kühe, menschenmasse.

Wer stattdessen mit dem Zug fahren möchte, muss nicht nur zwischen fünf Klassen wählen, sondern kann sich auch sicher sein, selbst in der höchsten ein paar Kakerlaken und laut schnarchende Inder um/über/unter sich liegen zu haben.

Die Hygienebereiche in den Zügen unterscheiden sich nicht besonders von denen im öffentlichen Raum. Während der Österreicher eine Sitzgelegenheit wünscht, hockt der Inder. Die Möglichkeit der englischen Toiletten gibt es zwar, bloß hat Indien das mit dem „Draufsetzen“ nicht so ganz verstanden. Die linke Hand benutzt man als Klopapier, weshalb der Inder auch nur mit der rechten Hand isst.

Gut fürs Karma

Die indische Küche spiegelt die regionale Vielfalt wider, von einheitlicher Kochkultur kann nicht die Rede sein. Vielmehr unterscheiden sich Zutaten und Essgewohnheiten ähnlich stark voneinander wie in Europa. DasEssen ist so abwechslungsreich und würzig, dass die Schärfe als Schmerzauslöser dienen kann. In landestypischen Dhabas bekommen Hungrige für umgerechnet zwei Euro ein vollständiges Mittagessen, bei dem Chilistreuer sowie Leitungswasser gemieden, der Chai aber getrunken werden sollte. Etwa 44 Prozent der Einwohner Indiens haben weniger als einen Euro pro Tag zur Verfügung; der typische Schlafplatz des Inders für ein Nickerchen nach dem Essen ist deshalb nicht unbedingt ein Zimmer mit Klimaanlage, es könnte auch eine Verkehrsinsel mitten in der Stadt sein.

 

ein baba bei der täglichen yoga einheit.

ein baba bei der täglichen yoga einheit.

Air Condition ist während der Sommermonate das beliebteste Wort Indiens. Neben Shiva selbstverständlich. Und Vishnu. Und weiteren tausend Göttern, die tagtäglich angebetet werden. Den Glauben der Inder in Worte zu fassen ist unmöglich, das ganze Leben ist Religion. Räucherstäbchen in allen Ecken des Landes dienen zur Opferung, Bindis werden in Tempeln zur Segnung auf die Stirn gemalt. Was das Spirituelle angeht, kann man die Erleuchtung in prunkvollen Fünf-Sterne-Maharadscha-Palästen erlangen oder durch zehntägiges Schweigen in einfachen Klöstern. Auch Pilgerfahrten sind ein Muss. Doch egal, ob man einen Berg erklimmt, auf dem Shiva wohnt, einen Guru sucht oder Yoga praktiziert, Indien ist gut fürs Karma.

One rupee, please!

Von Profis über Amateure bis hin zu Kindern: Etwa 300.000 Bettler finden sich auf Mumbais Straßen. Dabei sind besonders Touristen, die sich an einer roten Ampel in einer Rikshaw befinden, ein beliebtes Ziel. Die Kinder überhäufen sie mit Blumen und alten Magazinen oder wollen aus Prinzip one rupee. Meistens sind es Jungen; von denen gibt es nämlich einige mehr als Mädchen.

Frauen werden in Indien angestarrt, daran müssen sie sich gewöhnen. Sie sind mit Männern zwar rechtlich gleichgestellt, in der patriarchalisch geprägten Gesellschaft aber nach wie vor benachteiligt. Von Anfang an haben Frauen schlechtere Karten, die Geburt eines Jungen ist meistens mehr Grund zur Freude als die eines Mädchens, immerhin ist für ihn keine Mitgift zu zahlen.

Wer einem in Indien aber wirklich zum Verhängnis wird, sind nicht die schönen Frauen in den bunten Saris, die rauchenden Männer mit Turbanen, die charmanten Diebe oder die aufdringlichen Kinder – sondern die Affen.

vor affen nie die zähne zeigen! deuten sie als angriff. also nichts mit anlächeln.

vor affen nie die zähne zeigen! deuten sie als angriff. also nichts mit anlächeln.

Affen auf der Suche nach Säften und Essen, das sie einem in unbedachten Momenten gerne aus der Hand oder vom Frühstückstisch reißen. Daran hat sich der Inder aber schon gewöhnt, auch an die vielen Kinder und das scharfe Essen. Und selbstverständlich an die Kühe, die heiligen Kühe, die einem ständig den Weg versperren.

Der Subkontinent beflügelt die Fantasie und betört die Sinne. Wer sich auf das Extreme einlässt, Gegensätze und Chaos akzeptiert, der kann sich immer über ein Lächeln freuen. Ein herzliches Lächeln, das einem Indien – egal ob Mann oder Frau, Brahmane oder Shudra – schon bei der Ankunft schenkt.

weiße sandstrände bis hin zu den gipfel des himalaya. inda's got it.

weiße sandstrände bis hin zu den gipfel des himalaya. inda’s got it.

 

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2 Gedanken zu “Incredible India

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