Von Kliniken und Koks. Eine Suche in Lima.

Warum es als TouristIn in der peruanischen Hauptstadt vermutlich leichter ist an Koks und Waffen zu kommen, als an SIM Karten oder eine Lokalanästhesie.

In der Notaufnahme der Privatklinik Good Hope, am Ende einer der zahlreichen von Smog durchzogenen Hauptstraßen von Lima, sitzen rund zwanzig wartende PatientInnen. Alle gut gekleidet, manchmal mit Schmuck am Körper oder Smartphones in den Händen. Good Hope befindet sich nämlich in Limas Nobelviertel Miraflores. Dennoch sitzt der Empfang hinter einer Glasscheibe und Securities stehen an den Türen. Ich hätte natürlich auch in ein öffentliches Krankenhaus gehen können, doch nicht mal hier befindet sich Desinfektionsmittel neben den Waschbecken auf  den Toiletten. Bevor mich die Tatsache, dass ich mir nichts Antibakterielles in die Hände schmieren kann nervös macht, wird mein Name aufgerufen und der Security öffnet die Türe. Vanessa beruhigt mich stetig und übersetzt dem Arzt, der angeblich auch Englisch spricht, welche Antibiotika ich bisher genommen habe. Ich darf mich hinter einem der blauen Vorhänge auf das Krankenbett legen, während der Pfleger irgendwelche medizinischen Utensilien auspackt. Darunter ein Skalpell. Ich werde langsam unruhig, als Vanessa mir übersetzt, dass ich keine Betäubung, Lokalanästhesie, oder Ähnliches bekomme. Ich verzweifle, als meine mehrfachen Bitten danach mit einem Nein enden. Und so stehen Vanessa und ich das gemeinsam durch, als der Arzt mir hinter diesem Vorhang, ohne jegliche Betäubung mit dem Skalpell durch die Haut schneidet. Sie, irgendwo hinter mir, mit sanften Worten beistehend. Und ich, lautstark fluchend vor lauter Schmerz.

Passierschein A38

Wir finden zufällig ein Einkaufszentrum, als wir von der Costa Verde Richtung Altstadt spazieren. Ein Handyladen nach dem Anderen, doch keiner hat eine SIM Karte für uns. In einem Geschäft am Ende des Ganges im dritten Stock dann die Erkenntnis: nur mit peruanischer ID gibt es hier SIM Karten. Wir müssen in die Hauptfiliale. Vier Taxis später, die Fahrpreisverhandlungen liefen nicht so wie erhofft, landen wir am Plaza de Armas, dem Hauptplatz. Gleich ums Eck, eine Claro! Filiale. Wir versuchen bei dem Netzanbieter unser Glück, doch wieder – peruanische ID nötig. Wir sollen das weiße Claro! Gebäude suchen. Gesagt, getan. Ein Security öffnet uns die Tür und deutet uns den Weg zur Warteschlange. Der Mann hinterm Schalter schickt uns zu jenem Gegenüber. Dort versucht man uns Rede und Antwort zu stehen und schickt uns zum Schalter links davon. Nachdem wir dort die SIM Karte bezahlen, müssen wir wieder zum anderen Schalter um sie zu aktivieren. Danach sollen wir zurück zum Kassenschalter. Es ist als wären wir auf der Suche nach Passierschein A38. Wieder zum Schalter zu unserer Linken. Offene Fragen kann uns keiner beantworten, dennoch schaffen wir es, ohne verrückt zu werden, mit einer SIM Karte aus dem Haus. Wir waren länger in der Claro! Filiale, als im Krankenhaus.

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Warteschlange vor der claro! Filiale…

Tattoos, Koks und Waffen

Als wir durch die Altstadt schlendern kommt ein junger Mann auf uns zu: Tattoos, Koks, Waffen. Er besorgt uns alles. Nein, danke. Der Typ mit der Sonnebrille in der Dämmerung spricht das Gleiche:   Tattoos, Koks, Waffen. Nein, danke. Auch der Eine vorne an der Ecke versucht sein Glück und der Andere gegenüber legt sogar noch Weed drauf. Aber Nein, danke. Hätten wir statt nach Lokalanästhesie und SIM Karten nach Tattoos, Koks und Waffen gesucht, wären wir vermutlich schneller fündig geworden.

 

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