Pachamamas Herausforderungen

Pachamama ist Quechua und steht für Mutter Welt, Mutter Kosmos. Vor allem in den Anden gilt sie als allmächtige Göttin die allen Leben schenkt. Uns schenkt sie seit unserer Ankunft hier fast tägliche Herausforderungen, die uns an unsere Grenzen treiben. 

Wir sind 4100 Meter hoch oben. Pachatata heißt der Berg den wir soeben hinaufgewandert sind. Er befindet sich auf der Insel Amantani am Titicaca See. Auf den 15 Qúadratkilometern der Insel trägt die Bevölkerung bunte peruanische Tracht, es gibt keine Straßen, Autos oder Hunde. Vor unserem Aufstieg beziehen wir unser Quartier bei einer lokalen Familie. Sie geben uns den Schlüssel zu einem ihrer Zimmer, welches einfach, dafür mit umso wärmeren Bettdecken ausgestattet ist.

Die drei Cusqueña trinken wir bei einer atemberaubenden Aussicht (siehe oben) und ignorieren die dunklen Wolken so gut wir können. Doch er kommt dann doch, der Regen. Die festen Schuhe, die teure Regenjacke – alles nur minimaler Schutz vor dem strömenden Regen, der laut unserer Gastmama Serafina eine Erscheinung des El Niño-Phänomens ist. Wir frieren und können es kaum erwarten zu unseren trockenen Sachen im versperrten Zimmer zu gelangen. Als wir vor der Tür stehen, deren dickes Schloss absoluten Schutz ausstrahlt, die Erkenntnis: der Schlüssel ist weg. Ich muss gestehen, es war meine Schuld. Irgendwie muss er mir scheinbar aus der Hosentasche gerutscht sein… „Das wird teuer“, meint Serafina. Haerri brüllt mich an und Vanessas Blick zufolge sollte ich besser kein Wort sagen. Gefühlte hundert Schlüssel versucht die Familie im strömenden Regen ins Schloss zu stecken, keiner passt. Wir warten. Lang. Und frieren. Doch der Heilige Antonius schickt den Schwiegersohn und der hat nicht nur einen Schlüssel der unser unkaputtbares Schloss sperrt, sondern sogar zwei.

Mit vier Soles Richtung Machu Picchu

Haerri macht den Salkantay Trek und Vanessa und ich genießen Cuzco noch ein wenig. Wir wollen ihn zwei Tage später in Santa Teresa treffen. Herausforderung für die kommenden Tage ist es nicht nur alles zeitlich so zu planen, dass die alte Dame vom Equipement Verleih zur Bushaltestelle kommt um Haerris Führerschein gegen das geliehene Zeug zu tauschen, sondern das liebe Geld. Abgesehen davon, dass Nessi ein wenig verpeilt einfach Geld auf der Straße verliert, funktioniert meine Karte funktioniert seit Tag Eins nicht. Vanessas Bankomatkarte ebenso wenig, den Code für die Visa hat sie nicht. Und dann, spuckt Haerris Karte plötzlich auch kein Geld mehr beim Automaten raus.  Wir haben vier Soles. Damit können wir uns zwei Avokados und ein Wasser kaufen. Das Hostel ist nicht gezahlt, die Wäscherei ebenso wenig. Irgendwie denken wir, schaffen wir es dennoch nach Machu Picchu. Skype Guthaben bei einer schlechten Internetverbindung aufzuladen erweist sich als kompliziert, ebenso das Gespräch mit den Notfallkontakten der Bank, die uns nicht weiterhelfen können. Sollte doch eh alles gehen… Unser Air BnB Host lässt uns nochmal online zahlen und leiht uns Geld um einen Teil der Wäsche zu holen. Der andere Teil ist verloren.

Mit vier Soles und nur einer Garnitur Wäsche Richtung Machu Picchu. Warum nicht, wir wollten doch ein Abenteuer. Es ist eine schlaflose Nacht. Am nächsten Morgen ein kleines Wunder: Vanessas Karte gibt plötzlich ein wenig Bares her. Genug für ein ordentliches Frühstück und ein freudiges Gehüpfe auf der Place de Armas.

Dass es in Santa Teresa, wo wir superfein wohnen, essen und ziplinen, keinen Bankomaten gibt hätte uns auch jemand mitteilen können. Wiederholt stehen wir vor dem Problem nicht zahlen zu können. Und wiederholt schaffen wir es über tausend Umwege, doch noch schuldenfrei weiterzufahren.

Bankomatenlotterie

Die Freude über Vanessas funktionierende Karte hält allerdings nicht lang – die Geldtasche verschwindet auf der nächtlichen Busfahrt nach Puno. Wir lassen ihre Karte sperren, ebenso Haerri seine zweite Karte, die irgendwo am Weg liegen geblieben ist. Wir besitzen also noch eine Bankomatkarte, dessen Konto gedeckt ist, sie aber trotzdem nicht funktioniert. Eine Kreditkarte, deren letzte Abrechnung bald kommen sollte und eine weitere Bankomatkarte, dessen Konto alles andere als gedeckt ist, die Karte aber manchmal funktioniert. Jeder Gang zum Beheben ist wie ein Lottoschein…

Zumindest bis zu den Nazka Linien kommen wir heute noch. Ob wir den Flug darüber machen können, zeigt sich, wenn wir versuchen mit Visa zu zahlen….

P.S.: Sogar unsere Wäche haben wir wieder! Danke Pachamama!

P.P.S.: Ein herzliches danke an T, M, M und D für die Finanzpritzen die das besagte ungedeckte Konto wieder deckten 🙂

 

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