Urlaub vom Urlaub

Etwa 15 Stunden tuckerten wir im Zug von Benares nach Kalkutta in dem wir Thomas, einen Studenten aus Deutschland kennenlernen. Der erste Backpacker mit dem wir mehr als zwei Worte wechseln.

Unser Geplauder ist eine Attraktion. Vier Europäer in einer nicht besonders höherwertigen Sleeper Class sehen die indischen Herren und Damen scheinbar nicht so oft – wir werden angestarrt und beobachtet bis wir das Licht abdrehen, uns auf unseren „Matratzen“ zusammenkuscheln und eher weniger als mehr schlafen, da jede Stunde Chai und Wasserverkäufer lautstark durch die Abteile brüllen. Fast 20 Stunden Reisezeit, zwei Zug- und eine Taxifahrt später sind wir endlich in Mandarmani, einem verschlafenen Fischerdorf in Westbengalen angekommen.

stille.

stille.

Ich muss beim Schreiben dieses Beitrags ständig unterbrechen, diese furchtbaren Moskitos die hier abends herumschwirren haben mich überfallen und meine Füße leiden höllischen Juckreiz. Allein auf meinem linken Fuß zähle ich 24 Gelsenstiche.

muhlis sind überall.

muhlis sind überall.

Unser Guesthouse liegt direkt am Strand und hat was von einer ausgestorbenen Puder-Rosa Ranch. Als wir ankommen sind wir die einzigen Gäste, am nächsten Morgen hingegen begrüßen uns ein Dutzend Inder, die bereits zum Frühstück Whiskey statt Essen auf ihrem Tisch haben. Und niemand spricht wirklich Englisch. Mit Händen und Füßen, Brocken von Hindi die wir aus dem Reiseführer vorlesen und dem Brummen des Managers, das zwischendurch ein bisschen nach Englisch klingt, verständigen wir uns und bekommen zum Abendessen Fisch den wir lieber nicht gegessen hätten. Es dauert immer Stunden (wirklich Stunden, nicht übertrieben!) bis man hier sein Essen oder seinen Chai bekommt. Ob es eine entspannte Arbeitsweise der Inder hier ist, sie unsere Geduld auf die Probe stellen wollen oder sie einfach zu viel Charas-Pausen einlegen ist bisher nicht geklärt. Ihre Augen deuten auf letztes hin.

genuss. sonne.

genuss. sonne.

Wir genießen die Sonne, gehen schwimmen und spazieren. Auf unserem Minibalkon breiten wir Decken aus, hören Musik und lesen viel. Ich entdecke die Harry Potter Bücher auf meinem Kindle und anstatt mich mit Russisch zu plagen oder dem Ablauf des Kroatienkrieges zu beschäftigen versinke ich in der kindlichen Zauberwelt. Die zwei entspannenden Tage hier tun gut. Nach all den hektischen indischen Impressionen und dem Stress in Graz lassen wir los und tun nichts. Kein Wifi oder Gehupe das uns ablenkt, nur das Rauschen des Meeres die warmen Sonnenstrahlen. Valentinstagsgrüße aus Graz die per SMS ankommen machen die Idylle hier noch schöner.

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ausgeschlafen!!

Die Riesenkakerlake Otti die unser Bad belagert und vor der unser Manager sich sogar noch mehr graust als wir, bringen wir furchtlos ins Freie, den neugierigen Inderinnen die uns am Strand anquatschen beantworten wir freundlich alle Fragen, den frechen Inder der uns in Bikinis fotografieren will zwingen wir die Kamera wegzupacken und die betrunkenen Gäste aus dem Nebenzimmer helfen uns beim Buchen des Zugtickets zurück nach Kalkutta.

Otti hat überlebt. Die Kokosnuss nicht.

Otti hat überlebt. Die Kokosnuss nicht.

Endlich nach Kalkutta, dem eigentlichen Ziel dieser Reise. Ich bin gespannt auf morgen. Gleich in der Früh geht’s ins Mother Theresa Missionary of Charity um die Erfahrung als Freiwilige zu beginnen. Aber erst müssen wir mal in die Metropole kommen. Und unser Hotel finden…

 

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